Kennt ihr das?
Ihr seid vielleicht Eltern von schulpflichtigen Kindern und wundert euch manchmal über das Ausmass an Betreuung, Organisation, Koordination und Intervention im Vergleich zu eurer eigenen Schulzeit?
Oder ihr habt ein Baugesuch eingereicht und müsst gefühlt tausend Dinge nachbearbeiten, Formulare ergänzen und Formalitäten berücksichtigen? Dabei wolltet ihr doch nur eine Wärmepumpe anschliessen!
Oder ihr eröffnet ein einfaches Lohnkonto und fragt euch nach dem dritten Formular, der vierten Unterschrift und der fünften rechtlichen Bestätigung, ob ihr gerade ein Konto eröffnet oder ein Finanzimperium gründet?
Kommt es euch auch manchmal so vor, als würde man eigentlich schon ein "huere Theater" wegen jedem "Seich" machen?
Sicher habt ihr schon gedacht: Früher war das alles viel einfacher. Und vermutlich stimmt das sogar.
Aber daraus zu schliessen, wir müssten einfach zurück zu früher, wäre sehr wahrscheinlich ein Fehler. Denn vielleicht ist im Moment alles so kompliziert und anstrengend, weil wir uns mitten in einer Transformationsphase befinden.
Alte Abläufe passen nicht mehr. Neue Abläufe funktionieren noch nicht so richtig. Zuständigkeiten sind unklar, neue Systeme noch nicht ausgereift. Erinnerungen an die Vergangenheit prallen auf die Visionen der Zukunft. Und irgendwo mittendrin stehen wir alle und denken: Muss das jetzt wirklich sein?
Ja!
Veränderung ist selten elegant. Sie kommt nicht fertig sortiert daher. Sie ist anfangs meistens umständlich, mühsam und voller Kinderkrankheiten.
Probiert mal in einem Unternehmen eine neue Software einzuführen. Zuerst funktioniert nichts. Alle sind genervt. Bis sich das Neue eingespielt hat. Plötzlich möchte man es nicht mehr missen und fragt sich, wie man vorher eigentlich funktionieren konnte. Nun stellen wir uns das Ganze nicht in einem Unternehmen vor, sondern in einer ganzen Gesellschaft...
Man muss diese Phase aushalten.
Denn oft wird es zuerst komplizierter, bevor es einfacher wird. Zuerst holpert es. Zuerst nervt es. Zuerst kostet es Zeit, Geduld und Nerven.
Die Erleichterung kommt erst später. Dann, wenn die neuen Abläufe sitzen.
Vielleicht ist also nicht alles hoffnungslos kompliziert geworden. Vielleicht stehen wir einfach mitten im Übergang. Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass die Dinge wieder einfacher werden, sobald sich alles eingependelt hat.
Die Frage ist deshalb nicht, wie wir wieder zurückkommen. Die Frage ist, wie wir vorwärtskommen.
Dafür braucht es halt "än lange Schnuuf". Und dann merken wir hoffentlich: Es hat sich gelohnt.
